Blockierende Glaubenssätze

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In allen Lebensbereichen sind sie zu finden, blockierende Glaubenssätze. Sie sind meist unbewusst und behindern unseren Weg zum Erfolg. Blockierende Glaubenssätze wirken wie Wahrnehmungsfilter und sie steuern unseren Fokus.
Blockierende Glaubenssätze auflösen

Blockierende Glaubenssätze hinterfragen

Manchmal ähnelt das Leben dem Malefiz-Spiel: Kaum hat man es ein paar Schritte übers Spielfeld geschafft, und schon erscheint aus heiterem Himmel eine Blockade direkt vor einem und schneidet den Weg ab. 

 

Anders als im Brettspiel sind die Blockaden des Lebens oft hausgemacht. Menschen stehen sich manchmal aufgrund blockierender Glaubenssätze selbst im Weg und können nicht über ihren Schatten springen, auch wenn sie gern über den Tellerrand schauen möchten. Im Spiel würden wir nie auf die Idee kommen, uns selbst Steine in den Weg zu legen, aber im richtigen Leben schon. Woran liegt das? Was ist da los?

Hemmschuhe der Gesellschaft und des Einzelnen

Festgefahrene Meinungen, blockierende Glaubenssätze, Überzeugungen, Dogmen, Vorurteile und selektive Wahrnehmungen. 

 

Als Kopernikus sagte, dass die Sonne der Mittelpunkt sei und nicht die Erde, und als Galilei das mit Vehemenz als Wahrheit deklarierte, durchbrachen sie die Blockade eines kirchlichen Glaubenssatzes, ebenso Darwin und andere. Dies veränderte die Gesellschaften und sie entwickelten sich anders weiter als zuvor, nachdem die Hemmschuhe ausgezogen waren.

 

Die gleiche Wirkung lässt sich auf der Ebene des Individuums beobachten. Nicht nur die Lenker der Gesellschaft müssen auf alles eine Antwort haben, um ihre Stellung zu wahren. Auch der einzelne Mensch braucht zum Überleben ein Grundverständnis von der Welt und die Fähigkeit, erfolgreich auf äußere Einwirkungen zu reagieren.

 

Also leiten wir aus unseren wiederholten Erfahrungen und dem, was Familie, Freunde und Lehrerinnen uns sagen, die Handlungsmaximen ab, die wir im Alltag ständig brauchen und ständig bestätigen. Denn wir müssen permanent Personen und Situationen einschätzen, Handlungsentscheidungen treffen, planen und mit unseren Kräften haushalten. Ohne Verallgemeinerungen, Mutmaßungen und Vorurteile ist das gar nicht zu schaffen! Leicht-Gläubigkeit ist ein evolutionärer Vorteil, der auch in unseren Genen verankert ist.

 

Daher ist das Wort „Glaubenssätze“ angebracht: Wir handeln nicht auf wissenschaftlicher Basis, sondern subjektiv-empirisch und abstrahierend: Wir müssen nicht wissen, wie ein Flugzeug fliegt, um es zu nutzen. Auch analysieren wir nicht jede mögliche Gefahr, denn so viel Zeit haben wir nicht. Wir verlassen uns auf unsere superschnelle „innere Bibel“.

Placebo und Nocebo

Wissenschaftlich fassbar wurde das Phänomen innerer blockierender Glaubenssätze, als in den späten 70er-Jahren nachgewiesen wurde, dass Scheinmedikamente zu Endorphin-Ausschüttungen führen können, wenn die Patienten denken, die Arznei sei echt. Der Placebo-Effekt zeigt, dass unsere Gedanken alternative Realitäten erschaffen, die uns nicht nur in Blockaden hinein-, sondern auch herausführen. Darüber hinaus weist der Placebo-Effekt, dass Glaubenssätze sich in Materie verwandeln können, denn Endorphine sind eine physische Substanz. Unsere Vorstellungen beeinflussen also nicht nur unsere Handlungen, sondern sogar die materielle Welt.

 

Dem „Ich werde gefallen“ – das ist die Übersetzung von „Placebo“ – hat man als Fachausdruck ein „Ich werde schaden“ (Nocebo) beigesellt, um Suggestionen mit negativem Ausgang von positiven zu unterscheiden. Das-bringt-Unglück!-Sätze und Voodoo-Zauber, an die man ängstlich glaubt, sind Nocebos.

Blockierende Glaubenssätze erkennen

Im Mentaltraining akzeptieren wir die Notwendigkeit und den prinzipiellen Erfolg von inneren Glaubenssätzen. Doch wir gehen davon aus, dass es hilfreich ist, sie zu hinterfragen und einige daraufhin möglicherweise zu reformieren oder sogar zu ersetzen, damit unsere Zukunft nicht zwangsläufig so wird wie unsere Vergangenheit war.

 

Wie aber soll man wissen, welche blockierende Glaubenssätze man hat? Welche davon im Einzelnen sind reformbedürftig und wie kann man sie schließlich bearbeiten, um sich weniger Steine in den Weg zu legen? Jetzt, da wir uns über die Existenz und Signifikanz von Glaubenssätzen im Klaren sind, können wir feststellen, dass wir im Grunde für alle Bereiche des Lebens welche haben. Wir haben blockierende Glaubenssätze besonders für die Bereiche, die mit wiederholten eigenen Erfahrungen und starken Emotionen verbunden sind. Dazu zählen Beziehungen, Wohlbefinden, Karriere, Kreativität – die Liste ist lang. Uns interessieren hier nur solche Situationen, in denen wir ein Unbehagen spüren, einen inneren Konflikt oder eine Blockade erleben. Fälle, in denen wir uns nicht oder zu wenig erfolgreich vorkommen.

 

Wenn wir unser Leben Revue passieren lassen, können wir die Problembereiche meist allein identifizieren. Können wir das nicht, kann ein Coach oder Trainer helfen. Oder man befragt sein Unterbewusstsein mit Assoziationsverfahren wie Satzergänzungen („Ich muss …“, „Menschen sind …“ etc.) oder mit Tagebuchschreiben.

Mentale und physische Methoden

Sind die Punkte, an denen es hapert, gefunden, können wir uns den blockierenden Glaubenssätzen auf unterschiedliche Weise nähern. Eine systematische Herangehensweise ist das Formulieren von Attributionen, das sind Ursachenzuschreibungen für Erfolge und Misserfolge. Wo sehe ich die Gründe, wenn ich im Wettkampf gut oder schlecht abschneide? Was denke ich, woran es liegt, dass ich keinen dauerhaften Partner finde? Wie erkläre ich mir mein heftiges Lampenfieber vor einem Konzert?

 

Bei solchen Fragen ist es besonders wichtig, ob wir uns selbst oder einen äußeren Faktor verantwortlich machen (internal vs. external), ob wir es für eine einmalige oder eine immer wiederkehrende Situation halten (variabel vs. zeitlich stabil) und ob wir einen absoluten Grund sehen oder einen individuellen (global vs. spezifisch). Hier liegt genügend Stoff für den Prozess bereit, unsere Überzeugungen konstruktiv zu hinterfragen, Blockaden wegzuräumen und eine Prävention von zukünftigen Hindernissen zu ermöglichen.

 

Sportlerinnen und Sportler werden im Mentaltraining angehalten, ihre Werte und Ziele zu klären, damit sie den Sinn ihres Handelns im Sport voll erkennen. Sie machen sich ihre Stärken bewusst und nehmen das Erreichen ihrer Ziele geistig vorweg, was ihnen Sicherheit gibt. Wenn sie verstehen, wie Stress entsteht, wenn sie ihre Entspannungsfähigkeit entwickeln und Strategien, um sich vor Druck und Störungen zu wappnen, trägt das zum Abbau von Blockaden bei.

 

Körperliche Methoden können solche Techniken ergänzen, zum Beispiel meditative Atemübungen. Auch das sogenannte „Emotional Power Tapping“ (EPT), eine Weiterentwicklung der „Emotional Freedom Techniques“ (EFT) eignet sich besonders gut, um blockierende Glaubenssätze aufzulösen. Das sind Verfahren zum Erreichen emotionaler Freiheit unter Stimulierung der Akupunkturpunkte, die mit den Fingerspitzen ganz wörtlich abgeklopft werden (tapping), um aufgestauten Stress abzulassen. Eine neuere Studie belegt die Wirksamkeit dieser Methode.

Gewinn- und Verlustrechnung

Jeder Glaubenssatz hat Vor- und Nachteile. Auch Blockaden haben einen Sinn und auch erfolgreiche innere Überzeugungen haben Tücken. Das Lampenfieber ist (auch) wichtig für die Künstlerin, die dabei zwar viele Energien verbraucht, dafür aber voll konzentriert und mental vorbereitet ist.

Am Ende ist es eine Gewinn- und Verlustrechnung, die wir aufstellen, um die richtige Entscheidung hinsichtlich eines Glaubenssatzes zu treffen. Denn sobald uns die Blockaden bewusst werden, können wir präzisere Fragen stellen: Ist es wirklich vorteilhaft, diese oder jene Überzeugung aufzugeben? Was verliere ich dadurch und was kostet es mich? Ändert sich dadurch etwas und woher stammt sie noch einmal?

Dies sind keine theoretischen Fragen, denn die Antworten darauf müssen sich in der Praxis bewähren und dafür gibt es keine Garantie. Die erprobten Ansätze des Mentaltrainings geben uns jedoch begründete Hoffnung darauf, passende Antworten zu finden.

Literaturquellen